Mobile Unterstützung der Materialflusskostenrechnung in KMU (mobile MFCA)

Ressourceneffizienz ist in vielen kleinen und mittleren Unternehmen immer noch auf den Austausch von Leuchtmitteln und vergleichbare Maßnahmen limitiert. Die meisten Potentiale bleiben ungenutzt, weil Informationen fehlen und kaum Transparenz über die Produktionssysteme und technische Gebäudeausstattung besteht. Im Rahmen des vorliegenden Projektentwurfs soll ein bereits als Prototyp bestehendes Werkzeug zur mobilen Erfassung und Visualisierung von Stoffströmen in Unternehmen weiterentwickelt werden zu einem attraktiven Softwaresystem für die Unterstützung von Ressourceneffizienz in Unternehmen. Das avisierte Projekt baut unter anderem auf dem DBUProjekt Mobile Unterstützung eines prozessorientierten Stoffstrommanagements in KMU (MOPS) auf. Das Projekt soll einen Beitrag leisten, Ressourceneffizienzfragestellungen ortsunabhängig bearbeiten zu können und damit das betriebliche Umweltmanagement in seinen Aufgaben unterstützen.

Neu ist die Kombination des mobilen Ansatzes des Stoffstrommanagements mit der Methode der Materialflusskostenrechnung (engl. Material Flow Cost Accounting, kurz MFCA). Die Materialflusskostenrechnung ist eine ISO-normierte und zunehmend etablierte Methode, um die Effizienz von Produktionsprozessen im Hinblick auf Materialverluste („Material Losses“) zu bewerten. Dabei wird jeglicher Output, der nicht im gewünschten Produkt landet, als Verlust betrachtet. In jedem Produktionsschritt werden die Aufwendungen (Energie, Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe) aufwandsgerecht auf die gewünschten und unerwünschten Produkte aufgeteilt. Dadurch kann der wahre Wert von Abfällen ermittelt werden. Durch die Kombination von monetärer Bewertung mit einer Klimabewertung der Materialverluste werden für die Unternehmen wertvolle Informationen zur Entscheidungsunterstützung geliefert.

Für das zu entwickelnde Anwendungskonzept existiert bereits mit dem vom Antragsteller entwickelten Umberto NXT MFCA eine Anwendung zur Materialflusskostenrechnung und Visualisierung von Stoffströmen, die aber ausschließlich als sogenannte Desktop-Anwendung für Microsoft Windows existiert und somit nur ortsgebunden genutzt werden kann. Diese Anwendung soll durch eine mobile Variante ergänzt werden, mit der sie über einen zu entwickelnden CloudDienst Daten austauschen kann. Somit entstehen neue Nutzungsszenarien im mobilen Kontext für das Stoffstrommanagement und MFCA. Zentrale Idee ist die Kombination aus flexibler Datenerfassung, -validierung und -visualisierung vor Ort mit der Weiterverarbeitungsmöglichkeit auf dem Arbeitsplatzrechner in anspruchsvollen Werkzeugen. Dabei soll die Anwendung Spaß machen und zur Weiterführung der Analyse und zur Umsetzung von Maßnahmen motivieren. Durch die konsequente Verknüpfung von Erfassung und Visualisierung wird das Systemverständnis erhöht und Optimierungspotentiale aufgedeckt. Gleichzeitig ergibt sich für die Zusammenarbeit von externen Experten und internen Mitarbeitern eine neue Qualität.

Grob skizziert sieht das Zusammenspiel zwischen der mobilen und der Desktop-Anwendung folgendermaßen aus: Der/die Experte*in (z.B. ein*e Berater*in für Stoffstromanalyse) baut aus bereits vorliegenden Informationen und Erfahrungen ein grobes Modell des Produktionssystems des Unternehmens in der Desktop-Software für Materialflusskostenrechnung. Darin markiert er/sie fehlende oder ungenaue zu erhebende Daten, die er/sie für die weitere Modellierung benötigt. Er/sie speichert dann das Modell in der Daten-Cloud, aus der es von der mobilen Anwendung zur weiteren Bearbeitung geöffnet werden kann. Dort erscheinen an den Stellen mit Datenbedarf entsprechende Symbole (z.B. Fragezeichen), durch die die internen Mitarbeiter*innen darauf aufmerksam gemacht werden, dass hier Daten fehlen, die die internen Mitarbeiter*innen dann vor Ort (z.B. in den Produktionsbereichen) erfassen. Werden dabei zusätzliche bisher nicht modellierte Prozessschritte erkannt, so können diese am Tablet ergänzt werden. Am Ende der Bearbeitung sendet der/die Datenerfasser*in die Daten über die Cloud wieder an den/die Berater*in zur Verarbeitung und eine neue Iteration kann starten. Die externe Beratung wird damit kosteneffizient und führt schneller zu Ergebnissen.

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